Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP in Schleswig-Holstein steht auf Seite 48 folgender bemerkenswerter Satz: „CDU und FDP wollen die Bürgerinnen und Bürger vor verantwortungslosen Hundehaltern schützen. Die Rasseliste hat sich dafür als nicht geeignet erwiesen und wird daher im Gefahrhundegesetz abgeschafft.” Bemerkenswert ist dieser Satz aus mehreren Gründen. Zunächst einmal macht er Hoffnung, das Thema „verantwortungslose Hundehalter” nicht mehr auf dem Rücken von Hunden bzw. Hunderassen auszutragen. Außerdem dokumentiert er, dass Politiker auch bereit sind, zu lernen. Und zwar aus der Erfahrung zu lernen, wenn sie schon den Wissenschaftlern und Experten nicht geglaubt haben. Letztere haben schon zu Anfang des vorigen Jahrzehnts, als der mediale Hype um den mittlerweile zu einer Metapher hochstilisierten tödlichen Beißunfall Furore machte, davor gewarnt, Rassen zu stigmatisieren, wo das Problem eines der Haltung, des Halters und des Nichteinschreitens von Behörden war und ist.
Und genau um das geht es. Natürlich – Hundehaltung bedeutet Übernahme von Verantwortung, und vielleicht gilt auch, je größer der Hund, umso größer die Verantwortung. Aber die meisten Zwischenfälle, die mit Hunden passiert sind, völlig egal welcher Rasse, hatten ihre Ursache nicht im Hund, der lediglich das „letzte Glied” in einer verhängnisvollen Kette war. Oft war es eine vorhersehbare Situation, in der bspw. Eltern ihrer Verantwortung gegenüber ihrem Kind – und ihrem Hund – nicht nachgekommen sind. Wenn man ein einjähriges Kleinkind mit einem Hund allein im Zimmer lässt, handelt man – je nach gegegebener Situation – durchaus fahrlässig. Und in den – wirklich seltenen – Fällen, wo es dann auch zu einem Zwischenfall kommt, wird nicht selten der Hund rasch getötet, um sich mit der Leiche des vierbeinigen Familienmitglieds zugleich auch der Verantwortung, die man selbst für den (vorhersehbaren) Zwischenfall hatte, zu entledigen. Dass es natürlich Hunde mit abnorm gesteigerter Aggressivität gibt, ist nicht zu bestreiten. Aber auch hier gilt gar nicht so selten: solche Hunde stammen meist aus unseriösen Zuchten oder dem Hundehandel, wurden schlecht gehalten, oft misshandelt oder sogar bewusst „scharf” gemacht.
Wir Hundehalter wollen doch genauso wie jeder Politiker, dass verantwortungslose Hundehalter zur Rechenschaft gezogen werden, und auch die entsprechenden Auflagen bis hin zum Hundehaltungsverbot erhalten. Doch das Thema an Rasselisten festzumachen, ist zwar mittlerweile in Deutschland so zur Normalität geworden, dass es nur mehr wenige aufregt, die Unsachlichkeit und Ungerechtigkeit dieser Methode bleibt aber deswegen nicht minder bestehen. Denn eines ist klar: Ein soziologisches Problem – und das ist der Fall bei bestimmten Leuten, die einen Hund als Waffe oder zur Stärkung ihres Egos missbrauchen – ist nur soziologisch lösbar und nicht kynologisch! Diesen Fehler aber haben nahezu alle deutschen Bundesländer begangen und gehofft, mit Rasselisten das – soziologische – Problem verantwortungsloser Hundehalter zu lösen.
Offensichtlich hat dies nun auch die Politik erkannt, und der Schleswig-Holsteinischen Koalition ist es zu danken, dies so offen auszusprechen. Auf die konkrete Umsetzung dieser Koalitionsabsicht freuen wir uns. Verantwortungslose Hundehaltung kann schon mit bestehenden Gesetzen und Verordnungen bekämpft werden. Kein Psychopath darf mit seinem Hund eine Straße, ein Stadtviertel terrorisieren können. Dagegen gibt es genug Möglichkeiten der Behörden, hier einzuschreiten – Rasselisten sind dazu nicht geeignet.
Die übergroße Mehrheit der deutschen Hundehalter ist verantwortungsvoll und bemüht, sich mit den Mitbürgern zu arrangieren, die keine Hunde haben, und Gefahren dort zu minimieren, wo es welche geben könnte.
Unsere Vorfahren waren es, die den Hund quasi „der Natur entnommen” haben. Nun lebt er mit uns und braucht uns heute, in einer zunehmend natur- und hundefeindlicheren Umwelt, mehr denn je. Halten wir zu unseren Hunden und beweisen wir der Politik und den Mitbürgern, wie wichtig Hunde für uns Menschen sind!
In diesem Sinne viel Freude mit der neuen Ausgabe!
Es grüßt Sie ganz herzlich Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber, und Bruno, der WUFF-Redaktionshund
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