SOS Rassehund!


Liebe Leserin, lieber Leser!

Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als ob es erst gestern gewesen wäre: Als wir vor ­15 ­Jahren das Hundemagazin WUFF ­gründeten, wollten wir anders sein als alle anderen, wollten nicht nur die guten Seiten des Hundewesens aufzeigen, sondern auch den Missbrauch von Hunden und negative Entwicklungen in der Hundezucht. Ein Aufschrei ging dahin durch alle Rassezuchtvereine, weil wir in ­unseren Rasseporträts erstmals Themen berührten, die bis damals in Hundezeitungen (und in den Zuchtvereinen) absolut tabu waren: Erbkrank­heiten bei Hunden.

Unsere Kritik an den negativen Auswüchsen der ­Rassehundezucht, die zu Hunden führten, die nicht mehr normal atmen, sehen oder laufen konnten, ­wurde uns von den Zuchtverbänden sehr übel genommen. Als dann 1997 der legendäre Kynologe Dr. Hans Räber in WUFF eine dreiteilige Serie schrieb, die er nach eigener Aussage „auch nur in WUFF ­publizieren konnte“, und darin die „entsetzlichen Auswüchse“ der Rassehundezucht offenbarte, waren wir mit einem Schlag unter Experten deutschlandweit als seriöses und kritisches Hundefachmagazin bekannt.

Doch die negativen Entwicklungen in der Rassehundezucht gingen weiter: Zunehmende Erbkrankheiten durch Inzucht, körperliche Schäden und Leiden der Hunde durch Übertreibung von ­Rassemerkmalen. Es war dann der bekannte Wiener Kynologe Dr. Hellmuth Wachtel, der ebenfalls in WUFF diese negative Entwicklung immer wieder kritisierte und Lösungsvorschläge anbot. Züchten nach populationsgenetischen Grundsätzen hieß der neue Weg. Doch dieser konnte sich bei vielen Züchtern leider kaum durchsetzen. Nur wenigen waren nicht die Welpen­absatzzahlen wichtig, sondern das Wohl der Rasse, die sie liebten.

Durch verschiedene Gründe, die andere besser erklären können als ich und die auch in dieser Ausgabe von WUFF dargelegt werden, wurde bei manchen Hunderassen die genetische Basis schon so eng und das Inzuchtniveau so hoch, dass die heutigen Hunde untereinander näher verwandt sind als Vollgeschwister – ein so hoher Verwandtschaftsgrad, den man sich nicht mehr vorstellen kann. Und dies ist der Fall beim Nova Scotia Duck Tolling Retriever, dem sog. Toller. Da ist es auch kein Wunder, dass diese Rasse bspw. mit erblichen Autoimmunerkrankungen quasi „durchseucht“ ist.

Eine Rettung dieser Rasse ist nur mehr möglich durch Einkreuzung fremden Genmaterials, sagen renommierte Wissenschaftler, welche die Toller-Population weltweit untersucht haben. Der Vorsitzende des Zuchtklubs für den Toller, Alexander Däuber, schlägt daher konsequenterweise Alarm und will die Empfehlungen der Wissenschaftler zur Rettung seiner Rasse befolgen. Doch der Dachverband des Clubs, der VDH (Verband für das deutsche Hundwesen), der solche Maßnahmen genehmigen muss, hat den entsprechenden Antrag des Toller-Clubs – völlig unverständlich für die Experten – mit der Forderung nach weiteren Daten vorerst auf Eis gelegt. Der Bitte von WUFF um eine Stellungnahme ist der VDH bis Redaktionsschluss nicht nachgekommen, wir bleiben aber dran und werden weiter berichten. Die ganze Geschichte finden Sie unter dem Titel „SOS Rassehund“ in dieser Ausgabe.

Artikel wie diese liegen uns weiterhin am Herzen, weil wir – vermutlich so wie Sie – Hunde lieben. Hunde dürfen nicht zur Ware, zum Zuchtobjekt verkommen, instrumentalisiert oder missbraucht werden. Hunde sind des Menschen beste Freunde, vergessen wir das nicht! Viel Freude mit Ihrem Hund und dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,
und Bruno, der WUFF-Redaktionshund