Der Rottweiler


Porträt

Autor: Dr. Hans Mosser / Ausgabe: 2009-03

So wie bei jeder anderen Rasse hängt auch das Wesen des Rottweilers davon ab, wie er gezüchtet, aufgezogen, ausgebildet und gehalten wird. Allerdings, mehr als bei manch’ anderer Rasse haben Fehler oder Mängel darin stärkere negative Folgen. Der Rottweiler ist kein sog. „Ersthund“. Aber in den Händen eines hundeerfahrenen, sicheren und selbstbewussten Menschen ist er ein Traumhund. Das Porträt schaut hinter die Fassade, wie der Rottweiler heute medial oft präsentiert wird. Wie ist der Rottweiler wirklich?

Es gibt die verschiedensten, oft abenteuerlichen Geschichten, wie Hunderassen zu ihren Namen kamen. Manchmal findet das Aussehen im Rassenamen Niederschlag, oder einige Rassen werden auch nach ihrem Züchter benannt, wie etwa der Dobermann nach dem aus Thüringen stammenden Friedrich Louis Dobermann (1834–1894). Häufig leiten sich Rassenamen auch von der Aufgabe ab, für welche die Hunde gezüchtet wurden. Alle Schäferhunde oder bspw. der Pointer (ein Vorstehhund) oder der Jagdterrier sind dafür Beispiele. Sehr oft werden Hunderassen je-doch – entweder ausschließlich oder zusätzlich zu einer weiteren Bezeichnung – nach geografischen Namen benannt, wie etwa der ­Weimaraner, der Lhasa Apso, der Appenzeller ­Sennenhund oder eben der Rottweiler.

Zum Ursprung des Rottweilers
Die Stadt Rottweil ist mit einer über 1.900-jährigen Geschichte die älteste Stadt in Baden-Württemberg. Im Jahre 73 n. Chr. wurde das heutige Rottweil mit dem damaligen Namen Arae ­Flaviae („Altäre der Flavier“) von den Römern im Zuge des Baus einer ­Handelsstraße gegründet. Allerdings dürfte die Stadt in Wahrheit noch viel älter gewesen sein, da schon vor den Römern an dieser Stelle keltische Stämme sesshaft gewesen waren, wie archäologische Funde zeigen.
[...]



Expertenaussagen über den Rottweiler

Über die Entwicklung der Zucht des Rottweilers ...


Dr. Manfred Hermann, Geschäftsführer des ADRK: „Die Zucht des Rottweilers wird auch in Zukunft geprägt sein von der sorgfältigen Selektion auf nervenfeste und sozialverträgliche Hunde, wie sie die heutige Gesellschaft verlangt. Weitere Gebrauchshundeigenschaften wie Fitness, Ausdauer, Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft sowie die Erhaltung eines insgesamt funktionsfähigen und widerstandsfähigen Gebäudes sind ebenfalls im Auge zu behalten. Ein weiteres züchterisches Feld ist die Bekämpfung bestehender Erbkrankheiten, wobei hier flexibel auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu reagieren ist. Dazu gehört aber auch die weitere Verbesserung einer allgemeinen Robustheit gegenüber Krankheiten, um auch damit ein möglichst langes Leben zu ermöglichen."

Über Schau- versus Leistungszucht ...


Obstlt. Otto Koppitsch, Leiter des österr. Militärhundezentrums Kaisersteinbruch: „Wie bei allen Gebrauchshunden gibt es auch beim Rottweiler getrennte Entwicklungen zu Schönheits- (Form und Aussehen) und Leistungslinien (Gebrauchswert). Nur wenige Zwinger können beide Eigenschaften auf hohem Niveau züchterisch erhalten und pflegen."

Über die Gesundheit der Rasse ...


Dr. Manfred Hermann, Geschäftsführer des ADRK: „Bisher gelten beim Rottweiler lediglich die Hüft- (HD) und Ellbogengelenksdysplasie (ED) als rassetypische Krankheiten. Durch intensivere und verbesserte Diagnostik und Zusammenführung von Befunden ist aber nicht auszuschließen, dass andere gesundheitliche Probleme hinzukommen, die ebenfalls einer züchterischen Bearbeitung bedürfen. Dabei darf man jedoch nicht erwarten, irgendwann den Rottweiler mit Gesundheitsgarantie gezüchtet zu haben. Es kann lediglich darum gehen, durch züchterische Maßnahmen solche Selektionsentscheidungen zu treffen, die das Risiko für Erkrankungen möglichst minimieren. Das kann am ehesten über kontrollierte Zucht mit entsprechenden Zuchtprogrammen gewährleistet werden, so dass ein Welpenkäufer immer am besten beraten ist, wenn er sich bei anerkannten Züchtern umschaut."

Obstlt. Otto Koppitsch, Leiter des österr. Militärhundezentrums Kaisersteinbruch: „ Es gibt keine typischen Rottweiler-Krankheiten, sondern Anfälligkeiten so wie bei anderen großen Hunderassen. Die HD- und ED-Belastung der Elterntiere sollte gering sein. Absolvierte Leistungsprüfungen bei den Ahnen sind wünschenswert. Erbkrankheiten werden bei jeder seriösen Zucht menschenmöglich bekämpft. Jeder gesunde Rottweiler kann weit über 10 Jahre alt werden. Vor dem Welpenkauf ist Beratung, abgestimmt auf die persönlichen Bedürfnisse wichtig. Ein reiner Arbeitshund ist temperamentvoll und fordert auch Aktivität von seinem Besitzer."

DER ROTTWEILER


FCI - Standard Nr. 147/19.06.2000/D

ROTTWEILER

URSPRUNG
: Deutschland.

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN
ORIGINAL-STANDARDES: 06.04.2000.

VERWENDUNG
: Begleit-, Dienst- und Gebrauchshund.

KLASSIFIKATION FCI
: Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde und andere Rassen.

Sektion 2.1 Molossoide, Doggenartige
Hunde.

Mit Arbeitsprüfung.

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS
: Der Rottweiler zählt zu den ältesten Hunderassen. Sein Ursprung geht bis in die Römerzeit zurück. Er wurde dort als Hüte- und Treibhund gehalten. Die Hunde zogen mit den römischen Legionen über die Alpen, beschützten die Menschen und trieben das Vieh. Im Raum um Rottweil trafen diese Hunde mit den einheimischen Hunden zusammen. Hier erfolgte dann eine Vermischung. Die Hauptaufgabe des Rottweilers wurde nun das Treiben und Bewachen von Grossviehherden und die Verteidigung seines Herrn und dessen Eigentum. Nach der alten deutschen Reichsstadt Rottweil erhielt er seinen Namen: Rottweiler Metzgerhund. Die Metzger züchteten diesen Hundeschlag nur auf Leistung und für ihren Verwendungszweck. So entstand im Laufe der Zeit ein hervorragender Hüte- und Treiberhund, der auch als Zughund Verwendung fand. Als man zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hunderassen für den Polizeidienst suchte, wurde auch der Rottweiler überprüft. Es zeigte sich sehr schnell, dass der Hund für die Aufgaben im Polizeidienst hervorragend geeignet ist. Im Jahre 1910 wurde er deshalb als Polizeihund offiziell anerkannt. Die Rottweilerzucht erstrebt einen kraftstrotzenden Hund, schwarz mit rotbraunen, klar abgegrenzten Abzeichen, der bei wuchtiger Gesamterscheinung den Adel nicht vermissen lässt und sich als Begleit-, Dienst- und Gebrauchshund in besonderem Masse eignet.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD
: Der Rottweiler ist ein mittelgroßer bis großer, stämmiger Hund, weder plump noch leicht, nicht hochläufig oder windig. Seine im richtigen Verhältnis stehende, gedrungene und kräftige Gestalt lässt auf große Kraft, Wendigkeit und Ausdauer schließen.

WICHTIGE PROPORTIONEN
: Das Maß der Rumpflänge, gemessen von der Bugspitze zum Sitzbeinhöcker, sollte dasjenige der Widerristhöhe höchstens um 15% überschreiten.

VERHALTEN/CHARAKTER (WESEN): Von freundlicher und friedlicher Grundstimmung, kinderliebend, ist er sehr anhänglich, gehorsam, führig und arbeitsfreudig. Seine Erscheinung verrät Urwüchsigkeit; sein Verhalten ist selbstsicher, nervenfest und unerschrocken. Er reagiert mit hoher Aufmerksamkeit gegenüber seiner Umwelt.

KOPF


OBERKOPF
:

Schädel
: Mittellang, zwischen den Ohren breit, in der Stirnlinie, seitlich gesehen, mässig gewölbt. Hinterhauptstachel gut entwickelt, ohne stark hervorzutreten.

Stop
: Stirnabsatz ausgeprägt.

GESICHTSSCHÄDEL
:

Nasenschwamm
: Nasenkuppe gut ausgebildet, eher breit als rund, mit verhältnismässig grossen Öffnungen, stets von schwarzer Farbe.

Fang
: Er sollte im Verhältnis zum Oberkopf weder gestreckt noch verkürzt wirken. Nasenrücken gerade, mit breitem Ansatz und mässiger Verjüngung..

Lefzen
: Schwarz, fest anliegend, Lefzenwinkel geschlossen, Zahnleiste möglichst dunkel.

Kiefer/Zähne: Kräftiger, breiter Ober- und Unterkiefer. Zähne stark und vollständig (42 Zähne); die oberen Schneidezähne greifen scherenartig über die des Unterkiefers.

Backen
: Jochbogen ausgeprägt.

Augen
: Mittelgroß, mandelförmig, von tiefbrauner Farbe; Lider gut anliegend.

Ohren
: Mittelgroß, hängend, dreieckig, weit voneinanderstehend, hoch angesetzt. Der Oberkopf erscheint bei nach vorn gelegten, gut anliegenden Ohren verbreitert.

HALS
: Kräftig, mäßig lang, gut bemuskelt, mit leicht gewölbter Nackenlinie, trocken, ohne Wamme oder lose Kehlhaut.

KÖRPER
:

Rücken
: Gerade, kräftig, stramm.

Lenden
: Kurz, kräftig und tief.

Kruppe
: Breit, von mittlerer Länge, in leichter Rundung verlaufend, weder gerade noch stark abfallend.

Brust
: Geräumig, breit und tief (ca.50% der Widerristhöhe), mit gut entwickelter Vorbrust und gut gewölbten Rippen.

Bauch
: Flanken nicht aufgezogen.

RUTE
: Naturbelassen, waagrecht in Verlängerung der Rückenlinie; im Ruhezustand auch hängend.

GLIEDMASSEN

VORDERHAND
:

Allgemeines
: Die Vorderläufe sind von vorn gesehen gerade und nicht eng gestellt. Die Unterarme stehen, seitlich gesehen, gerade. Die Neigung des Schulterblattes zur Waagrechten ist etwa 45 Grad.

Schultern
: Gut gelagert.

Oberarm
: Gut am Rumpf anliegend.

Unterarm
: Kräftig entwickelt und bemuskelt.

Vordermittelfu
ß
: Leicht federnd, kräftig, nicht steil.

Vorderpfoten
: Rund; Zehen eng aneinanderliegend und gewölbt; Ballen hart; Krallen kurz, schwarz und stark.


HINTERHAND
:

Allgemeines
: Von hinten gesehen sind die Hinterläufe gerade, nicht eng gestellt. Im zwanglosen Stand bilden Oberschenkel zum Hüftbein, Oberschenkel zum Unterschenkel und Unterschenkel zum Mittelfuss, einen stumpfen Winkel.

Oberschenkel
: Mäßig lang, breit und stark bemuskelt.

Unterschenkel
: Lang, kräftig und breit bemuskelt, sehnig.

Sprunggelenk
: Kraftvoll, gut gewinkelt, nicht steil.

Hinterpfoten
: Etwas länger als die Vorderpfoten; Zehen stark, ebenso eng aneinanderliegend, gewölbt.

GANGWERK
: Der Rottweiler ist ein Traber. Der Rücken bleibt fest und relativ ruhig. Der Ablauf der Bewegung ist harmonisch, sicher, kraftvoll und ungehemmt, bei guter Schrittweite.

HAUT
: Die Kopfhaut liegt überall straff an und darf bei hoher Aufmerksamkeit leichte Stirnfalten bilden.

HAARKLEID


HAAR
: Bestehend aus Deckhaar und Unterwolle = Stockhaar. Deckhaar mittellang, derb, dicht und straff anliegend; die Unterwolle soll nicht aus dem Deckhaar hervortreten. An den Hinterläufen ist die Behaarung etwas länger.

FARBE
: Schwarz mit gut abgegrenzten Abzeichen (Brand) von satter, rotbrauner Färbung an Backen, Fang, Halsunterseite, Brust und Läufen sowie über den Augen und unter der Rutenwurzel.

GRÖSSE UND GEWICHT
:

Widerristhöhe
: Für Rüden 61 bis 68 cm.

61 bis 62 cm klein 63 bis 64 cm mittelgroß

65 bis 66 cm groß = richtige Grösse 67 bis 68 cm sehr groß

Gewicht
: ca. 50 kg.

Widerristhöhe
: Für Hündinnen 56 bis 63 cm.

56 bis 57 cm klein 58 bis 59 cm mittelgroß

60 bis 61 cm gross = richtige Grösse 62 bis 63 cm sehr groß

Gewicht
: ca. 42 kg.

FEHLER
: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

Gesamtbild
: Leichte, windige, hochläufige Gesamterscheinung; schwache Knochen und Muskeln.

Kopf
: Jagdhundkopf; schmaler, leichter, zu kurzer, langer, plumper Kopf; flache Stirnpartie (fehlender oder zu geringer Stop).

Fang
: Langer oder spitzer Fang; Spaltnase, Ramsnase (konvexer) oder eingesunkener (konkaver) Nasenrücken; abfallender Nasenrücken (Adlernase); helle oder gefleckte Nasenkuppe.

Lefzen
: Nicht straff schließende, rosafarbene oder fleckige Lefzen, offener Lefzenwinkel.

Kiefer
: Schmaler Unterkiefer.

Gebiss
: Zangengebiss.

Backen
: Stark hervortretend.

Augen
: Helle, tiefliegende, zu volle sowie runde Augen; schlaffe Augenlider.

Ohren
: Zu tief angesetzte, schwere, lange, schlappe, zurückgeklappte sowie abstehende und ungleichmässig getragene Ohren.

Hals
: Zu langer, dünner, schwach bemuskelter Hals; Wamme oder zu lose Kehlhaut.

Körper
: Zu lang, zu kurz, schmal.

Rücken
: Zu langer, schwacher oder eingesenkter Rücken, Karpfenrücken.

Kruppe
: Abschüssige Kruppe, zu kurz, zu gerade oder zu lang.

Brust
: Flachgerippter Brustkorb, tonnenförmige Brust, Schnürbrust.

Rute
: Zu hoch oder zu tief angesetzte Rute.

Vordergliedmaßen
: Eng gestellte oder nicht gerade Vorderläufe; steile Schulter; fehlender oder mangelnder Ellenbogenanschluss; zu langer, zu kurzer oder steiler Oberarm; weicher oder steiler Vordermittelfuss; Spreizpfoten; zu flache oder zu stark gewölbte Zehen, verkümmerte Zehen; helle Krallen.

Hintergliedmaßen
: Flachschenkelige, hackenenge, kuhhessige oder fassbeinige Läufe; zu eng oder zu weit gewinkelte Gelenke; Afterkrallen.

Haut
: Kopfhaut faltig.

Haar
: Weiches, zu kurzes oder langes Haar, Wellhaar; Fehlen der Unterwolle.

Haarfarbe
: Missfarbene, unklar abgegrenzte, zu ausgedehnte Abzeichen.

AUSSCHLIESSENDE FEHLER
:

Verhalten
: Ängstliche, scheue, feige, schussscheue, bösartige, übertrieben misstrauische, nervöse Tiere.

Allgemeines
: Betonte Umkehrung des Geschlechtsgepräges (Hündinnentyp bei Rüden und umgekehrt).

Gebiss
: Vorbiss, Rückbiss, Kreuzbiss; Hunde mit fehlendem Incisivus (Schneidezahn), Caninus (Fangzahn), Prämolar oder Molar (Backenzahn).

Augen
: Entropium, Ektropium, gelbe Augen, verschiedenfarbige Augen.

Rute
: Knickrute, eingerollte, stark seitlich zur Rückenlinie getragene Rute.

Haar
: Ausgeprochen lang- und wellhaarige Tiere.

Haarfarbe
: Farbe des Haarkleides abweichend von den für den Rottweiler standardgemässen Farben schwarz mit braunen Abzeichen; weiße Flecken.

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.

N.B.
: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

IM ARTIKEL ZITIERTE RECHERCHEQUELLEN U. WEITERFÜHRENDE LITERATUR


• A. Brehm, Brehms Tierleben, 1869
• R. Strebel, Die deutschen Hunde, Eduard Koch Verlagsbuchhandlung, München 1905
• T. Haltenorth, Rassehunde-Wildhunde. Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg 1958
• A. Pienkoß, Rottweiler, Brökeland Verlag, 1982
• Joan Blackmore, Rottweiler, Kynos Verlag 1990
• H. Räber, Enzyklopädie der Rassehunde, Kosmos Verlag 1993
• Urs Ochsenbein, Rottweiler, Kosmos Verlag 1996
• Andrew H. Brace, Das große Rottweilerbuch, Kynos Verlag 1996
• ADRK, Handbuch Grundlagen und Bestimmungen, 1997
• ÖRK, 75 Jahre Österr. Rottweiler Klub, 1997



Den vollständigen Artikel können Sie in der WUFF Ausgabe 03/2009 nachlesen.

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