Kubaner ohne Heimatland …


Rasseporträt

Autor: Edgar August / Ausgabe: 2010-06

Der Name der Rasse leitet sich ab von der Hauptstadt Kubas, Havanna (La Habana). Obwohl der Havaneser also eine kubanische Rasse ist, ist er – zum Teil aus politischen Gründen – dort fast ausgestorben. In der „Fremde“ lebt die Rasse aber durch engagierte Züchter weiter. Und dies zum Glück, hat doch die ­Rasse viele gute Eigenschaften, die sie zu einem idealen Begleithund in der ­heutigen Zeit machen.

Der Havaneser und seine Vorfahren haben eine viele Jahrhunderte lange Geschichte. Er gehört zur Familie der Bichons, seine engsten Verwandten sind Malteser, Bologneser und Bichon Frisé, worunter der Malteser wohl nach wie vor die all­gemein bekannteste Rasse der Bichon-Familie ist. Zur Gruppe der Bichons ­werden auch der Coton de Tulear und das Löwchen gezählt.

Auf Kuba durch Pudeleinkreuzung entstanden
Trotz aller Forschung über die Ausgangsrassen des Havanesers gibt es noch immer Widersprüche. Einerseits wird vermutet, dass die Rasse bei der Kolonisation von West­indien mit den spanischen Eroberern ins Land kam und auf den Bichon Frisé zurückgeht. Andere Quellen vermuten, dass Malteser und Bologneser als Vorfahren der Rasse von italienischen Schiffskapitänen nach Kuba gebracht wurden. Auf Kuba, so recherchierte es die kubanische Züchterin Zoila Portuondo Guerra, sei aus den Nachkommen der Bichons, Blanquito de la Habana genannt, durch die Einkreuzung von Pudeln schließlich die eigentliche Rasse Havaneser entstanden.

Auf Kuba machte der Havaneser, der je nach Land auch Bichon Havanais, Bichon Habanero, Bichon Havanese oder Havana Silk Dog genannt wird, jedenfalls Karriere. Er war vor allem im 18. und 19. Jahrhundert bei den wohlhabenden und adeligen Familien auf der Karibikinsel als Schoßhund sehr beliebt. Im 20. Jahrhundert fand er sich immer häufiger in weniger begüterten Kreisen als Familien- und Gesellschaftshund, während er bei den reichen Kubanern nicht mehr so hoch im Kurs stand. Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Havaneser außerhalb von Kuba so gut wie nicht bekannt ...



>>> RASSESTANDARD


Havaneser FCI Rassestandard
FCI - Standard Nr. 250/ 11. 05. 1998 / D
HAVANESER
(Bichon havanais)

ÜBERSETZUNG : Dr.J.-M. Paschoud und Frau R.Binder.
URSPRUNG : Westliches Mittelmeerbecken; Entwicklung : Kuba.
PATRONAT : F.C.I.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL-STANDARDES : 10.12.1996.
VERWENDUNG : Gesellschafts- und Begleithund.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 9 Gesellschafts- und Begleithunde.
Sektion 1 Bichons und verwandte Rassen.
Ohne Arbeitsprüfung.

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Diese Rasse stammt aus der westlichen Mittelmeergegend und hat sich entlang der spanischen und italienischen Meeresküste entwickelt. Offenbar wurden diese Hunde frühzeitig durch italienische Überseekapitäne in Kuba eingeführt. Irrtümlicherweise hat die am häufigsten vorkommende Havanna-Farbe (tabakfarben) dieser Hunde dazu verleitet, Havanna, die Hauptstadt von Kuba, als Ursprungsort anzunehmen. Infolge unglücklicher Umstände sind indessen alle alten Havaneser-Blutlinien in Kuba ausgestorben; anscheinend konnten jedoch einzelne Hunde aus Kuba herausgeschmuggelt werden; ihre Nachkommen überleben in den USA.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Der Havaneser ist ein kleiner, kräftiger, niederläufiger Hund; sein Haar ist lang, üppig, weich und vorzugsweise gewellt. Sein Gangwerk ist lebhaft und elastisch.

WICHTIGE PROPORTIONEN : Die Länge des Fangs von der Nasenspitze zum Stop entspricht der Länge des Schädels vom Stop zum Hinterhauptstachel. Das Verhältnis zwischen der Körperlänge (gemessen zwischen Buggelenk und Sitzbeinhöcker) und der Widerristhöhe beträgt 4:3.

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Speziell aufgeweckt und leicht zum alarmgebenden Hund zu erziehen; liebevoll und fröhlich, anziehend, bezaubernd, spielerisch, sogar etwas närrisch. Er liebt Kinder und spielt unentwegt mit ihnen.

KOPF : Mittelgroß; das Verhältnis der Länge des Kopfes zur Länge des Rumpfes (vom Widerrist bis zum Rutenansatz gemessen) beträgt 3:7.
OBERKOPF
Schädel : Flach bis sehr wenig gewölbt, breit; Stirn wenig ansteigend; von oben gesehen ist der Schädel hinten abgerundet, an allen anderen Seiten fast gerade und viereckig.
Stop : Mäßig ausgeprägt.
GESICHTSSCHÄDEL
Nasenschwamm : Schwarz.
Fang : Er verjüngt sich leicht und progressiv gegen den Nasenschwamm zu; nie spitz oder stumpf.
Lefzen : Dünn, trocken, gut anliegend.
Kiefer / Zähne : Scherengebiss. Ein vollständiges Gebiss ist erwünscht; das Fehlen der PM 1 (Prämolaren 1) un der M3 (Molaren 3) wird geduldet.
Backen : Sehr flach, nicht vorstehend.
Augen : Ziemlich groß, mandelförmig, so dunkelbraun wie möglich. Ausdruck freundlich. Die Umrandung des Auges soll dunkelbraun bis schwarz sein.
Ohren : Relativ hoch angesetzt; sie fallen längs der Backen und bilden eine unauffällige Falte, die sie leicht anhebt; sie laufen wenig spitz aus; sie sind von langen Fransen besetzt. Weder windmühlenartig abstehend noch dicht an den Backen anliegend.

HALS : Von mittlerer Länge.

KÖRPER : Die Länge des Körpers übertrifft um weniges die Widerristhöhe.
Oberlinie : Gerade, über den Lenden leicht gewölbt.
Kruppe : Gut abfallend.
Rippen : Gut gewölbt.
Untere Profillinie und Bauch : Gut aufgezogen.

RUTE : Hoch getragen, entweder in Form eines Krummstabs oder, vorzugsweise, über dem Rücken gerollt; die Befederung ist lang und seidig.

GLIEDMASSEN
VORDERHAND : Vorderläufe gerade und parallel, trocken; gute Knochenstruktur. Der Abstand vom Boden bis zum Ellenbogen soll denjenigen zwischen Ellenbogen und Widerrist nicht übertreffen.
HINTERHAND : Gute Knochenstruktur; mäßige Winkelung.
PFOTEN : Leicht länglich in ihrer Form, klein; Zehen eng aneinanderliegend.
GANGWERK : Der Bewegungsablauf beim Havaneser ist seinem fröhlichen Wesen entsprechend auffällig leichtfüssig und elastisch. Die gerade nach vorne gerichteten Vorderläufe bewegen sich frei, während die Hinterläufe in gerader Linie für den nötigen Schub sorgen.

HAARKLEID
HAAR : Das wollene Unterhaar ist schwach entwickelt, oft ganz fehlend. Das Deckhaar ist sehr lang (12 - 18 cm bei einem erwachsenen Hund), weich, glatt oder gewellt und kann lockige Strähnen bilden. Jedwede Zurechtmachung, jedes Ausgleichen der Länge der Haare mit der Schere und jede Art von Trimmen sind verboten. Ausnahme : die Säuberung der Haare an den Pfoten ist zulässig; die Haare auf der Stirne dürfen leicht gekürzt werden, damit sie die Augen nicht bedecken; auch die Haare am Fang dürfen leicht gekürzt werden, aber vorzugsweise belässt man sie in ihrer natürlichen Länge.
FARBE : Es gibt zwei Farbvarietäten.
· Selten vollständig reinweiß, falbfarben in verschiedenen Tönungen von hellfalbfarben bis havannafarben (tabakfarben, rot-braun); in diesen zulässigen Farben gefleckt; leicht schwarz gewolkt erlaubt.
· Zulässige Farben und Flecken (weiß, hellfalbfarben bis havannafarben) mit schwarzen Flecken, schwarzes Haarkleid.

GRÖSSE :
Widerristhöhe : 23 bis 27 cm.
Toleranz : von 21 bis 29 cm.

FEHLER : Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
SCHWERE FEHLER :
· Allgemeines Erscheinungsbil atypisch.
· Fang spitz oder stumpf, nicht gleich lang wie der Schädel.
· Raubvogelaugen; Augen zu tief eingesetzt oder vorstehend; Umrandung der Augen teilweise depigmentiert.
· Körper zu lang oder zu kurz.
· Rute gerade, Rute nicht hoch getragen.
· Vorderläufe in " französischem Stand " (Vorderfubwurzel engstehend, Pfoten nach außen gedreht).
· Mißgebildete Hinterpfoten.
· Haar hart, zu wenig üppig; kurzes Haar außer bei den Welpen; zurechtgemachtes Haar.
AUSSCHLIESSENDE FEHLER :
· Nasenschwamm depigmentiert.
· Vorbiß oder Rückbiß.
· Entropium, Ectropium; Umrandung eines oder beider Augen depigmentiert.
· Über- oder Untergröße.
N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.



Den vollständigen Artikel können Sie in der WUFF Ausgabe 6/10 (erhältlich im WUFF-Shop unter http://shop.wuff-online.com/) nachlesen.


Diskutieren Sie über diesen Artikel im WUFF-Forum unter: www.wuff.eu/havaneser0610