Retten, was zu retten ist


Hundeverordnungen in Deutschland: Kein Grund zur Genugtuung

Autor: Wolfgang Poggendorf / Ausgabe: 2001-10

Die „Hamburger Hundehalle", in denen die Behörde eingezogene oder wegen der extrem restriktiven Verordnung nicht mehr haltbare und daher abgegebene „Kampfhunde" sammelt, ist durch einen Artikel über die Arbeit von WUFF im größten amerikanischen Hundemagazin „Dog World" mittlerweile bis in die USA bekannt. Die Hunde in dieser Halle werden teilweise vom Hamburger Tierschutzverein (HTV) betreut, der wegen dieser Kooperation mit den Behörden von Vielen stark kritisiert wird. Kaum jemand hat sich jedoch bisher der Mühe unterzogen, den Dialog mit dem HTV zu suchen und ihn einmal selbst zu Wort kommen zu lassen.

Retten, was zu retten ist
von Wolfgang Poggendorf, Hamburger Tierschutzverein

Die rassebezogene Kategorisierung der Hundeverordnungen ist unqualifiziert und ungerecht. Auch wenn sich die Gemüter mittlerweile beruhigt haben, ist das Problem der sogenannten Kampfhunde noch lange nicht vom Tisch. Noch immer müssen die betroffenen Halter um ihre Tiere fürchten, und noch immer quellen die Zwinger mit sichergestellten und abgegebenen „Kampfhunden" über. Gleichwohl preisen die Politiker die Hundeverordnungen mit Genugtuung als zweckmäßig und bezeichnen deren Umsetzung als überaus erfolgreich.
Das tatsächliche Problem ist mit den Hundeverordnungen jedoch nicht in den Griff zu bekommen. Denn diejenigen, die Hunde durch quälerische Erziehung zu Kampfmaschinen abrichten und sie als Bestandteil ihres primitiven Imponiergehabes missbrauchen, scheren sich nicht um Verordnungen, Auflagen und Verbote. Und die echten Kampfhunde werden auch weiterhin im Dunkeln gezüchtet und gehandelt. Der Deutsche Tierschutzbund beobachtet dies seit langem. Bereits 1999 hat er ein Heimtierzuchtgesetz, die Kennzeichnung und eine obligatorische Haftpflichtversicherung gefordert. Außerdem hat er sich schon damals für die Durchführung von Wesenstests eingesetzt, damit von keinem Hund eine kalkulierbare Gefahr ausgeht.

Schnellschuss nach hinten losgegangen
Auch in Hamburg wurde bereits seit 1999 an einer Hundeverordnung gearbeitet, die nach dem Tod des kleinen Volkan im vergangenen Jahr erlassen wurde. Die Hysterie, die nach diesem tragischen Ereignis - von der Boulevardpresse geschürt - in der Bevölkerung ausgebrochen war, hat die Politik und Verwaltung zu einem Schnellschuss veranlasst, der nach hinten losgegangen ist. Denn die Hamburger Hundeverordnung ist untauglich und ungerecht, weil sie von der rassebezogenen Einteilung der Hunde in bestimmte Kategorien ausgeht. Die These von einer automatischen rassespezifischen Gefährlichkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar.

Retten, was zu retten ist
Für den Hamburger Tierschutzverein (HTV) galt und gilt es, zu retten, was zu retten ist. Deshalb hat sich der HTV nach langer Überlegung trotz seiner starken Vorbehalte gegen die Hundeverordnung zu einer Kooperation mit den Behörden entschlossen. Nur so konnte und kann er etwas für die betroffenen Hunde und deren Halter tun. Andernfalls wäre er von jeder Hilfeleistung von vornherein ausgeschlossen worden und hätte sich auf bloßen Protest beschränken müssen. Dass selbst lautstarker Protest jedoch rein gar nichts bewirkt und keinem einzigen Tier hilft, zeigen die Aktionen einiger anderer Tierschutzorganisationen, die sich gegen den HTV gestellt haben. So aber kann der HTV regelmäßig die Unterbringung der betroffenen Hunde überprüfen und Verbesserungen durchsetzen. Große Erfolge hat er auch bei der Vermittlung von Hunden der Kategorie I, von denen innerhalb eines Jahres über 50 ein neues Zuhause bekommen haben. Von den Hunden der Kategorie II konnten im gleichen Zeitraum sogar über 100 Tiere in gute Hände gegeben werden. Dabei hat der HTV große Unterstützung aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland bekommen, da die Auflagen zur Aufnahme eines sogenannten Kampfhundes in Hamburg sehr hoch sind. Wie stets in seiner einhundertundsechzigjährigen Geschichte hat es sich der Hamburger Tierschutzverein auch bei der Bewältigung der Kampfhundproblematik zum Ziel gesetzt, nicht zu politisieren, sondern das zu tun, wozu er da ist, nämlich jedem Tier in Not zu helfen und ihm eine Chance zu geben.



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Hamburger Tierschutzverein:
24 Stunden offen für die Rettung der Tiere

Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) wurde im Jahre 1841 gegründet. Es gehören ihm 8.000 Mitglieder an. Der Verein unterhält europaweit eines der größten Tierheime mit einer Kapazität für die Aufnahme von bis zu 1.600 Tieren, von der Maus bis zum Elefanten. Jährlich werden beim HTV ca. 10.800 Tiere aufgenommen, davon allein 8.000 Fundtiere. Etwa 2.000 Hunde werden entgegengenommen, wobei etwa 800 wieder von ihrem Besitzer abgeholt werden. Bei der Aufnahme von 3.000 Katzen werden dagegen nur 150 von den Haltern zurückgeholt. Das Tierheim hat für die Aufnahme von Fundtieren täglich 24 Stunden geöffnet, und der Tierrettungsdienst ist 24 Stunden täglich über das ganze Jahr für die Versorgung von herrenlosen Tieren einsatzbereit. Im Tierheim werden ca. 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter drei Tierärzte, in Vollzeit beschäftigt. Ca. 60 Ehrenamtliche stehen dem HTV tatkräftig zur Seite. Der Jahresetat des HTV beträgt über 10 Mio. DM. Die Öffnungszeiten für die Tiervermittlung sind Montag - Freitag 10 - 16 h, Samstag 9 - 12 h und Sonntag 9 - 11 h.
Telefon: +49(040) 211 10 60, Fax 21 11 06 38
Die Tierrettungsdienstnummer lautet 22 22 77
Internet: www.hamburger-tierschutz.de
EMail: htv1841@t-online.de



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Tierschutz mit Gefühl und Verstand

Wolfgang Poggendorf ist seit 1989 Geschäftsführer des Hamburger Tierschutzvereins (HTV). Dem Vorstand gehört er seit 1998 als Beisitzer an. Er ist für zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen des HTV verantwortlich, wie beispielsweise der Tierrettungsdienst und die 24-Stunden-Bereitschaft. Poggendorf praktiziert einen pragmatischen Tierschutz „mit Gefühl und Verstand". 1997 wurde er in den Tierschutzbeirat der Freien und Hansestadt Hamburg bestellt. Im gleichen Jahr erhielt er für seine Verdienste um den Tierschutz die Franz-von-Assisi-Medaille, die höchste Auszeichnung des Deutschen Tierschutzbundes.