Winterfreuden


Autor: Peter Walker / Ausgabe: 2000-02

Jö, es schneit! Vom Wohnzimmerfenster aus betrachten wir, wie die dicken Schneeflocken vom Himmel zur Erde tanzen. Bully steht auf dem Pflanzentisch zwischen einem Elefantenfuß und einem Mandarinenbäumchen.

Es scheint, als gefalle ihm das Naturschauspiel. Sein Schwänzchen wedelt wie verrückt, was dazu führt, daß meinem Mandarinenbäumchen nach jedem Rutenschlag einige Blüten fehlen. Endlich wird mit klar, warum dieser verflixte Baum noch nie Früchte hervorgebracht hat. Hab schon an meinem „grünen Daumen“ gezweifelt. Egal, wenn's schon mal so richtig schneit, kann man doch dem Hund nicht verbieten, seiner Freude darüber Ausdruck zu verleihen, oder?

Scheinbar bietet der gegenwärtige Aussichtspunkt keine optimale Sicht, weshalb sich der Hund unauffällig im „Dschungel“ weiterpirscht und neben einem 32jährigen Bonsai der Gattung Ulmuspervifolia Stellung bezieht. So, jetzt reicht's aber! Das Bäumchen ist mir im Laufe der Jahre ziemlich ans Herz gewachsen, von dem Wert mal ganz abgesehen.

Noch steht er ganz ruhig neben der geliebten Pflanze und betrachtet die schöne Winterlandschaft, doch das drohende Unheil, in Form der Nachbarshündin „Susi“, bricht gnadenlos herein. Kaum erspäht er unten auf der Straße, wie sie im Schnee umhertollt, tut er es ihr gleich. Was soll ich sagen? Der Bonsai sieht nun aus wie nach einem Orkan, einer Springflut und einem Waldbrand. Die sofortige, verbale Schelte geht wie immer ins Leere. Bully verkrümelt sich auf die Ledercouch und legt seine Stirn in Falten. Danach starrt er mit seinen Knopfaugen nachdenklich an die Decke. Ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, daß sich der Kerl schon wieder einen neuen Unfug ausdenkt …