Was vielleicht die wenigsten Urlauber und Spanienfreunde wissen, ist die Tatsache, dass es in Spanien die größte Wolfs-population in Westeuropa gibt. Eine besondere Verbreitung finden diese iberischen Wölfe im Norden des Landes. Aber auch in Andalusien, dem beliebten Reiseziel vieler Touristen mit seinen Stränden an der Costa del Sol oder seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten, leben noch Wölfe. Im Norden Andalusiens gibt es eine kleine Population frei lebender Wölfe, und dann gibt es, nicht weit von Malaga entfernt, einen Wolfspark der besonderen Art.
Ein besonderer Wolfspark Der Lobo Park in der Nähe von Antequera ist eine Ausnahme im Kreise der weltweit immer mehr Besucher anlockenden Wolfs- und Tierparks. Was macht diesen Park so besonders? Wohl einzigartig in der Welt, vereint er auf seinem großen Gelände insgesamt vier Unterarten des Wolfes. Neben dem iberischen Wolf und dem europäischen Wolf kann der Besucher dort ebenfalls den nordamerikanischen Timber Wolf sowie den seltenen Polar Wolf beobachten. Eine jede Art hat für ihr Rudel ein geräumiges und abwechslungsreich gestaltetes Gehege von ca. 25.000 qm zur Verfügung. Neben der typischen andalusischen Fauna und Flora, kleinen Teichanlagen und Aussichtsplätzen bieten diese Gehege den Tieren auch ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vor den beobachtenden Augen der Besucher. Da es im Lobo Park nur Führungen zu den Gehegen gibt und die Besucher dann die Tiere von Aussichtsplattformen beobachten können, haben die Tiere zwischen den Rundführungen immer ausreichend Ruhe und sind nicht ständig den beobachtenden Augen der Menschen ausgesetzt. Im Rahmen dieser Führungen bekommen die erstaunten Besucher zahlreiche Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Wolfsarten, aber auch zum Wolf im Allgemeinen. Gerade diese Informationen sollen über Vorurteile aufklären und den Besuchern die Achtung sowie den Respekt vor der Natur und seinen Lebewesen vermitteln. Damit leistet dieser Park im „Tierschutz-Entwicklungsland" Spanien eine bemerkenswerte Arbeit, zumal der Park eben nicht nur von ausländischen Touristen, sondern sehr zahlreich auch von Spaniern, spanischen Schulklassen sowie Behindertengruppen besucht wird.
Der Lobo Park kommt auf zwei Wegen zu seinem Wolfsbestand. Zum einen durch die im Park geborenen Tiere. Diese werden in einem sehr frühen Stadium von ihrem Rudel getrennt und dann von den Betreibern des Parks von Hand aufgezogen. Dies führt zu einer Sozialisierung der Tiere auf den Menschen, wie der 2003 verstorbene Wolfsforscher Dr. Erik Zimen beschrieben hat (s. „Ein Tier verändert die Welt" von Dr. Erik Zimen in WUFF 1 und 2/1996). Dadurch verlieren sie ihre natürliche Scheu und Angst vor dem Menschen.
Mastin Español als Blindenführhund für blinden Wolfswelpen Im Jahr 2005 wurde im Lobo Park ein Polar Wolf geboren. Eine Besonderheit, denn diese Unterart des Wolfes ist leider in ihrem Bestand stark gefährdet, und die wenigen sich weltweit in Gefangenschaft befindlichen Tiere tragen das Risiko einer Verwandtschaft in sich, was unter Umständen zu Inzuchtschäden führen kann. So war es dann wohl auch mit diesem Polar Wolfswelpen. Nach einer Trennung vom Muttertier zum Zweck der Sozialisierung auf den Menschen mussten die Betreiber nach einiger Zeit feststellen, dass dieses Tier erblindet war. Beobachtet man dieses Tier, kann man diese Behinderung aber überhaupt nicht bemerken, es ist lebensfroh und bewegt sich sicher, ohne aufzufallen, im Welpengehege. Trotzdem standen die Parkbetreiber vor einer schwierigen Entscheidung. Eine Rückführung in das Rudel mit diesem Wissen um seine Blindheit war nicht mehr möglich, denn die Wölfe würden das Tier sicherlich, wenn es das Stadium eines Jungwolfes erreicht hätte, töten. Der blinde Polar Wolf könnte die feine Körpersprache und die vielschichtige Kommunikation in seinem Rudel nicht wahrnehmen, würde sich selber durch seine Körpersprache falsch verhalten, und es würde unweigerlich zu Kämpfen kommen, die in der Tötung des blinden Tieres enden würden. Also blieb dem Betreiber nur die Entscheidung, das Tier entweder zu euthanasieren oder einen anderen Weg für ein Leben, eben nicht in Einsamkeit (was bei einem solchen sozialen Lebewesen eine Quälerei wäre), zu finden. Man entschloss sich, dieses lebensfrohe Tier am Leben zu lassen, und wird für den blinden Polar Wolf ein eigenes Gehege bauen, in dem er mit einem Mastin Español verpartnert werden soll. In dieser kleinen Hund-Wolf-Gruppe wird es definitiv keinen Nachwuchs geben, aber beide Tiere können eine soziale Beziehung zueinander aufbauen, und der Mastin Español, ein ursprünglicher Herdenschutzhund und Wolfsjäger, wird zu einem Blindenführhund und Partner für den Polar Wolf. Ein spannendes Projekt. Da der Bau des Geheges und die Betreuung des blinden Wolfes von den Betreibern des Parks vielfältige Investitionen abverlangen, gibt es übrigens noch die Möglichkeit, Patenschaften für den blinden Polar Wolf zu übernehmen.
Neue Heimat für Wölfe aus Zoos Eine andere Quelle des Wolfsbestandes ist die Aufnahme von Tieren aus anderen Tierparks und aus Zoos. So finden z.B. nicht artgerechte, einzeln gehaltene Tiere dort eine neue Heimat. Wird in einem Zoo ein Wolf, bedingt durch Rudelauseinandersetzungen, durch sein Rudel verstoßen, kann er nicht mehr in das Rudel zurückgeführt werden, es würde ansonsten zu einer Auseinandersetzung um Leben und Tod führen, da das Tier das Gehege ja nicht verlassen kann. Um einem solchen Tier eine qualvolle Einzelhaltung zu ersparen, hat der Lobo Park in der Vergangenheit solche Tiere aufgenommen und mit Hilfe trennbarer Gehege erfolgreich in bestehende Rudel integrieren können. Ein iberischer Wolf zum Beispiel, aus einer Einzelhaltung in einem Zookäfig kommend, konnte seine neue Bewegungsfreiheit nicht fassen und ward für eine Woche nicht gesehen, während er sein großes Gehege durchstreifte und immer wieder seine neue Heimat markierte und so in Besitz nahm. Es wird also kein Wolf aus freier Wildbahn für den Park gefangen, sondern alle Tiere sind aus anderen Parks und Zoos an den Lobo Park übergeben worden.
Spannende Beobachtungen Großen Wert legen die Betreiber des Lobo Parks darauf, dass die Tiere nur sozialisiert, aber nicht domestiziert werden. Dadurch behalten die Rudel ihre spezifischen Strukturen und Lebensformen. Es handelt sich dann bei den Tieren eben nicht um dressierte Zootiere, sondern um individuelle Rudel, die in ihrer ureigenen Lebensform, vom Menschen kaum beeinflusst, beobachtet werden können. Und gerade diese Beobachtungen der vielfältigen Kommunikationsformen sowie der Rudelstrukturen machen einen Besuch im Lobo Park so spannend.
Auch werden die Tiere nicht über Futter durch den Menschen konditioniert. Die Fütterung erfolgt immer ohne Anwesenheit von Besuchern, und die Tiere bekommen ihr Futter in die Gehege gelegt, worauf sich die Pfleger dann aber auch sofort zurück-ziehen. So sollen die Wölfe die Fütterung und die Nahrungsressourcen nicht mit dem Menschen in Verbindung bringen, und das Risiko einer Konditionierung über Futter kann vermieden werden. Hauptsächlich werden Schlachtabfälle an die Tiere verfüttert. Ab und zu bekommt ein Rudel auch schon mal von einem spanischen Bauern aus der Nachbarschaft ein verendetes Schaf oder eine verendete Ziege – ein besonderer Leckerbissen, vertilgen die Wölfe diese doch wortwörtlich mit Haut und Haar. Buchstäblich nichts bleibt mehr übrig. Eine Lebendfütterung erfolgt nicht, zum einen wäre eine solche sowieso gesetzlich verboten, zum anderen würden die Betreiber des Parks diese selbst dann nicht durchführen, wenn eine solche erlaubt wäre. Durch das Gehege hätte das Beutetier nämlich keine Fluchtmöglichkeit, womit ohnehin keine natürliche Situation gegeben wäre. Nach Berichten der Betreiber des Parks haben die Wölfe trotz der Fütterung durch den Menschen und der Gehegehaltung ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht verloren und wissen sehr wohl, wie sie Beute machen können. Bedingt durch die Größe der Gehege verirrt sich schon mal ein Kaninchen hinein, bzw. es gibt sogar Kaninchen, die in den Gehegen leben und ihren Bau haben. Die Wölfe wissen sehr genau, wie sie diese erbeuten können. Bei Beobachtungen konnte zum Beispiel auch festgestellt werden, dass sich ab und zu mal ein Fasan in ein solches Gehege verirrt: Bevor er in dem Gehege landet und den Boden berührt, haben die Wölfe das Tier bereits erbeutet.
Gleiches würde übrigens für den Menschen gelten. Da die Wölfe auf den Menschen sozialisiert sind und keine Scheu mehr vor ihm haben, würde kaum ein Mensch, der als Fremder ein solches Gehege betreten würde, dieses wieder lebend verlassen können. Lediglich die Betreiber und wenige Pflegekräfte können die Gehege betreten. Somit ist aber auch eine Auswilderung der Tiere völlig unmöglich.
Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn mehr Tierparks dem guten Beispiel des Lobo Parks folgen würden. Für die Tiere, denen trotz Gefangenschaft ein möglichst artnahes Leben ermöglicht wird und die in ihren Rudeln und Strukturen mit entsprechender Bewegungsfreiheit leben können. Und für den Menschen, damit dieser durch Beobachtung und Vermittlung von Hintergrundwissen die Vorurteile zu den Ahnen unserer Hunde abbauen kann und diese bemerkenswerten Tiere nahezu so erleben kann, wie sie sich in freier Wildbahn auch verhalten würden. Der Lobo Park ist sicherlich ein Refugium für Wölfe, aber auch für die Menschen, denen der Wolf ans Herz gewachsen ist.
| WUFF HINTERGRUND | | Im Lobo Park lebende Unterarten des Wolfes
Iberischer Wolf (Canis lupus signatus) Der iberische Wolf ist mittelgroß und lebt in Spanien und Portugal. Er ist mit seinem schlanken Körperbau eine kleine Unterart des Europäischen Wolfes. Seine Fellfärbung beinhaltet braune, rote und beige Töne. Der Iberische Wolf lebt in den Wäldern und Gebirgen der Iberischen Halbinsel. Er bildet im Gegensatz zu den nordischen Wölfen keine Rudel, sondern lebt in kleinen Familienverbänden, in denen häufig nur die Eltern mit den Jungtieren eines Jahrgangs leben. Seine Population schätzt man auf ca. 2000 Tiere, leider gilt er durch den menschlichen Siedlungsdruck als stark gefährdet.
Timber Wolf (Canis lupus occidentalis) Der Timber Wolf gehörte zu den am weitesten verbreiteten Unterarten des Wolfes. Heute ist sein Bestand leider stark zurück-gegangen und er gilt bedauerlicherweise als stark gefährdet. Er gehört von seiner Größe her zu den mittleren Wölfen. Seine Fellfarbe reicht über alle Farbtöne, am verbreitetsten ist allerdings eine schwarze bis grauschwarze Färbung, die sich durch seinen ursprünglichen Lebensraum in den waldreichen Gebieten Kanadas erklären lässt. Wie alle Wölfe besitzt er gelbe/bernsteinfarbene Augen, die jedoch durch seine schwarze Fellfärbung besonders hervorstechen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wegen sehr strenger Schutzmaßnahmen ist der Timber Wolf erfreulicherweise nicht mehr vom Aussterben bedroht.
Polar Wolf (Canis lupus tundrorum) Als Anpassung an die arktischen Lebensgebiete haben Polar Wölfe ein sehr dichtes Winterfell. Durch ihr weißes Fell sind sie im Schnee hervorragend getarnt. Aufgrund ihres Lebensraumes in den polaren Gebieten sowie der Tundra Alaskas (wo diese sehr kalte Winter aber auch sehr heiße Sommer ertragen müssen) wurden Polar Wölfe kaum verfolgt. Deshalb sind sie auch Menschen gegenüber weniger scheu. Aus diesem Grund müssen diese als stark gefährdet geltenden Tiere besonders geschützt werden.
Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) Der europäische Wolf war einmal in ganz Europa beheimatet. Leider wurde er in den letzten Jahrhunderten ein Opfer menschlicher Ängste und Vorurteile. In Deutschland wurde er im Jahr 1904 ausgerottet, als das letzte Tier seiner Art erlegt wurde. Heute ist der „gemeine Wolf" nur noch in wenigen Ländern Europas beheimatet. Allerdings hat sich seine Situation verbessert, und sogar in Deutschland hat sich wieder ein erstes kleines Rudel zaghaft niedergelassen. Aufgrund umfangreicher Aufklärungsarbeit hat der Europäische Wolf wieder eine leichte Chance, seinen alten Lebensraum wieder zu besiedeln.
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| WUFF INFORMATION | | Lobo Park
LOBO PARK S.L. Ctra. Antequera-Alora (A343), 16 km Apartado de correos 244 29200 Antequera, España • Tel +34 952 03 11 07 • Fax +34 952 03 10 15 • info@lobopark.com • www.lobopark.com
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| WUFF VORGESTELLT | | Über den Autor Joachim Westermann, 39, lebt im Ruhrgebiet zusammen mit seinem Partner und der 5-jährigen spanischen Mischlingshündin Julchen. Er studiert Tierpsychologie mit dem Schwerpunkt Hundepsychologie an der renommierten Akademie für Tiernaturheilkunde (www.atn-ag.ch) und ist Mitglied im Verband der Tierpsychologen und Tierhomöopathen e.V. (www.vdtt.org). Die Webseiten des Autors sind erreichbar unter www.hundepsychologie.info und bieten einen Einblick in das Studium und Hintergrundinformationen zur Thematik.
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